Ob 50, 500 oder 5.000 Menschen in einem Lager für Tage, Wochen, Monate, Jahre interniert waren: Es gibt keine Zahl, die angemessen ist. Jede Zahl ist zu hoch. Das Leid jedes einzelnen Menschen ist beklagenswert und nicht hinzunehmen.

Über Zahlen zu reden, heißt nicht, dass damit der an diesen Orten gegen wehrlose Menschen verübte Terror klein geredet wird. Das Gegenteil ist der Fall. In Zeiten von mittels Künstlicher Intelligenz (KI) gefälschten Fotos des Holocaust, der Lager und der Opfer heißt es umso genauer zu sein, um nicht zuletzt angreifbar zu sein. Leid bleibt Leid unabhängig davon, wie vielen Menschen es in einem Lager zugefügt wurde. Sind hingegen Zahlen zu Internierten eines Ortes fragwürdig, weil ihr Zustandekommen nicht plausibel begründet ist, steht alles, was mit diesem Ort verbunden wird in Frage. Das darf nicht sein. Daher muss Sorgfalt immer auch im Hinblick auf die Zahl der Internierten gelten. Ein Beispiel dafür ist das Straflager der Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke (RESW) Völklingen in Püttlingen-Etzenhofen. Das Lager bestand vom 1.April 1943 bis zum 31. Dezember 1944. Die dazu vorliegenden Belegzahlen wurden von dem damaligen Leiter des Stadtarchivs Völklingen, Christian Reuther in dessen Publikation „Zwangsarbeit in Völklingen“ aus dem Jahr 2018 eingehend untersucht.

Christian Reuther: Zwangsarbeit in Völklingen aus dem Jahr 2018. Repro: LpB Saarland

So wurde in dem von der Französischen Militärregierung angestrengten Prozess gegen den Direktor der RESW Völklingen Hermann Röchling im Jahr 1946 in Rastatt die Zahl der in Etzenhofen zur sogenannten „Arbeitserziehung“ in einem Zeitraum von 56 Tagen internierten RESW-Arbeitern mit 1.712 angegeben. Diese Zahl kam, laut Reuther (Reuther 2018, S. 183) dadurch zustande, indem die Anklage die ihr im März 1946 vorgelegten Listen des Lohnbüros der RESW auswertete. Derart, dass in diesen Listen die Lohneinbehaltungen der in Etzenhofen internierten Arbeitern vermerkt worden waren. Die Addition dieser Namen ergab die Zahl 1.712. Dazu schreibt Christian Reuther:
„Dieser Wert entspricht jedoch nicht den tatsächlichen Angaben, wenn diese Zusammenstellung als statistische Grundlage für die Zahl der Etzenhofen-Internierten maßgebend sein soll. Die Anklagebehörde versäumte es nämlich zwischen Personen zu unterscheiden, die neu in das Lager eingewiesen wurden und solchen, die bereits im Vormonat oder, bei geringen Strafen, auch in der Vorwoche in Erziehungshaft saßen. Werden nur die tatsächlichen Eintritte berücksichtigt, dann wurden laut der vom Lohnbüro 1946 aufgestellten Liste nur 599 Personen interniert.“ (Reuther 2018, S. 183/184) Kurzum: Es galt, nur die Neueintritte zu zählen, anstatt die bereits im Lager internierten Arbeiter:innen erneut, also doppelt oder sogar dreifach mitzuzählen.
Auch die von der Verteidigung Röchlings eingebrachte Zahl von 612 Einweisungen „ist nicht korrekt, weil im sogenannten Strafbuch, das im April 1943 angelegt wurden und Einträge bis zum 30. November enthält, Personen nachgewiesen werden, bei denen eine Einweisung nach Etzenhofen vermerkt wurde, die aber nicht in der 1946 angelegten Zusammenstellung genannt wurden.“ (Reuther 2018, S. 184). Die Angaben im Strafbuch bleiben somit vage und der Abgleich zwischen Strafbuch und der RESW-Liste von 1946 ergab, dass sich von den darin genannten 25 Internierten in Etzenhofen nur vier im Strafbuch nachweisen ließen. Umgekehrt waren Ostarbeitende, welche mit den französischen Zwangsarbeitenden die Mehrheit der Internierten in Etzenhofen ausmachten und dort erwiesenermaßen inhaftiert waren, nicht im Strafbuch erwähnt. Dazu zählen auch Zwangsarbeitende der RESW, die im Gestapo-Lager Neue Bremm in Haft oder dort verstorben waren. Das Strafbuch nennt explizit nur zwei Überstellungen eines italienischen und eines französischen Zwangsarbeiters in das Lager Neue Bremm. Es lassen sich jedoch mindestens zwei weitere Fälle nachweisen.
Daher können Zahlen nicht einfach ungeprüft übernommen werden. Christian Reuther zieht daher die Zahl der 1.604 ausländischen Internierten in Etzenhofen in Zweifel. Das geschieht vor dem Hintergrund der von ihm ausgewerteten Aussagen von Zeugen im Röchling-Prozess und den Forschungen von Mallmann-Paul im zweiten Band „Herrschaft und Alltag“ (Mallmann/Paul 1991, S. 317) ihrer Trilogie über Widerstand und Verfolgung im Saarland: „Folgt man den im Zusammenhang mit der Prozessvorbereitung vernommenen Zeugen, dann befanden sich im Lager Etzenhofen durchschnittlich zwischen 20 bis 40 Internierten. Bei einer Betriebszeit des Lagers von ungefähr zwanzig Monaten würde man lediglich auf eine Gesamtzahl von 400 bis 800 Internierten kommen.“ (Reuther 2018, S. 184).

Titel des Bandes „Das zersplitterte Nein“ (1989) von Klaus-Michael Mallmann und Gerhard Paul. Repro: LpB Saarland

Damit sollte der Terror, dem die internierten Arbeiterinnen und Arbeiter in Etzenhofen ausgeliefert waren, nicht kleingeredet werden. Ob es letztendlich 1.700 Menschen, 400, 500 oder 800 Menschen waren, die an diesem Ort gequält und entwürdigt wurden, beschönigt oder mildert nichts. Jeder Einzelne, der in das Lager Etzenhofen eingewiesen wurde, war ein Mensch zu viel. Dass eine solche Einrichtung gab, bleibt dabei unbestritten. Sie steht für das Lager-System im sogenannten „Maßnahmenstaat“, in dem das Recht politisch gedeutet und gebeugt wurde, um vom NS-Regime ausgemachte Gegner zu markieren, wozu auch sogenannte „Arbeitsbummelanten“ zählten. Für diese ordnete das NS-Regime sogenannte „Erziehungshaft“ an. Selbst eine vergleichsweise kleinere Zahl zeigt jedoch, wie kleinteilig das NS-Strafsystem ausgerichtet war, um Menschen zu verfolgen, zu bestrafen und zu vernichten.

Die Zahl „20.000“ und die Internierten des Gestapo-Lagers Neue Bremm

Das Gestapo-Lager Neue Bremm in Saarbrücken bestand ungefähr im gleichen Zeitraum wie das Straflager der RESW in Etzenhofen. Das Lager an der Metzer Straße in der Nähe des Saarbrücker Hauptfriedhofs existierte von Juli 1943 bis November 1944.

Ansicht des Lagers Neue Bremm von der gegenüberliegenden Straßenseite um 1940: Diese findet sich auch auf der Internetseite Gestapo-Lager Neue Bremm.

Ansicht des Lagers Neue Bremm von der gegenüberliegenden Straßenseite um 1940. Foto: LpB Saarland

Auch hier liegt eine Problematik im Hinblick auf die Interniertenzahlen vor. Im Zusammenhang mit dem Gestapo-Lager Neue Bremm wird seit rund 20 Jahren die Zahl von insgesamt 20.000 Internierten angeführt. Sie wurde mit wenigen Ausnahmen nie hinterfragt wurde, obschon sie in Bezug auf die Existenz und die Größe des Lagers notwendig diskutiert werden muss. Diese Zahl wurde nie belegt oder begründet. Das fiel bereits dem Experten für die Repressionspolitik im annektierten Lothringen und heutigem Mitarbeiter der Gedenkstätte Natzweiler, Cédric Neveu in einem Vortrag im Jahr 2007 auf. Dieser fand im Rahmen eines an der Universität Paul Verlaine in Metz vom 8.-11. November 2007 gehaltenen Kolloquiums zu dem Thema „Qualifier des lieux de détention et de massacre“ (auf Deutsch: Kennzeichnen/Einordnen der Haft- und Tatorte) statt. Dazu hatten Béatrice Fleury und Jacques Walter Wissenschaftler:innen eingeladen, die sich unter anderem mit Haft- und Tatorten in der Moselregion bzw. Lothringen befassten. Dazu zählte auch das Gestapo-Lager Neue Bremm, da dort auch Frauen und Männer aus dem heutigen Departement Moselle inhaftiert waren. Daher wurde auch zur Geschichte des Gestapo-Lagers und zur damit verbundenen Gedenkarbeit gesprochen. Im Folgejahr erschien der Tagungsband mit den Beiträgen der Tagung. Cédric Neveu merkte darin bereits in seiner ersten Fußnote im Hinblick auf die Zahl 20.000 an: „Ce Chiffre de 20.0000 n’est malheuresement pas expliqué dans les differents travaux sur la Neue Bremm“ (Neveu 2008, S. 24)

Die Herausgeber:innen, Béatrice Fleury und Jacques Walter gingen ebenfalls davon aus, dass diese Zahl belegt war und zeigten sich erstaunt darüber, dass es angesichts dieser hohen Zahl von Internierten – und der damit mutmaßlichen Bedeutung des Lagers – vergleichsweise wenig Erinnerungsaktivitäten gab bzw. diese forderten die beiden angesichts dieser hohen Zahl ein: „20.000 Prisoners stayed at the camp during the period when it was in service. It is only recently that the number of them became central in the memorial management of the place.“ (Fleury/Walter 2008, S. 330 (Abstract), dazu auch S. 9, S. 57) Das zeigt, dass die Wissenschaftler:innen von der Seriosität der erhobenen Zahl von 20.000 Internierten ausgingen. Die vorhandenen Forschungen legen nahe, dass es bislang eine reine Behauptung ist, die von keinerlei Quellen gestützt wird. Diese wurden auch nicht durch der Saarbrücker Geschichtswissenschaftler Prof. Dr. Rainer Hudemann beigesteuert, der dem wissenschaftlichen Beirat des Kolloquiums angehörte, wie dem Tagungsband zu entnehmen ist. Das Kolloquium und die dazugehörige Dokumentation liegen heute fast 20 Jahre zurück. Seitdem hat sich nichts geändert. Es wurden seitdem keine Belege der Zahl der 20.000 Internierten erbracht. Die vor fast 20 Jahren erhobenen Daten in der bald nach der Neugestaltung der Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm im Jahr 2004 aufgebauten Häftlingsdatenbank sind weitgehend gleichgeblieben.

Die Häftlingsdatenbank des Gestapo-Lagers Neue Bremm und das Livre Mémorial

Eigene Nachforschungen der Initiative Neue Bremm in Zusammenarbeit mit der Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes in den Archiven der Gedenkstätten Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Mauthausen und Ravensbrück in der ersten Hälfte der 2000er Jahre sind in den Unterlagen der Initiative belegt. Das hatte jedoch wenig Auswirkung auf die seit 2006 erstellte Häftlingsdatenbank. Weitere Internierte wurden durch die Namen von Zeugen aus der Berichterstattung der „Saarbrücker Zeitung“ über den Prozess gegen die Lagerleitung und das Wachpersonal von April bis Juni 1946 vor der Tribunal Gếneral in Rastatt ermittelt. Die Mehrzahl der rund 3.200 Datensätze in Häftlingsdatendank gehen auf das Livre Mémorial zurück.
Für das Livre Mémorial ist die Fondation pour la mémoire de la déportation (= Stiftung für die Erinnerung an die Deportation) verantwortlich. Das Projekt ist eine Reaktion auf den Umstand, dass für die Gedenkfeiern zum 50. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges keine genauen Zahlen der aus Frankreich nach Deutschland deportierten Bürger:innen vorlagen. Daraufhin wurde 1996 auf Veranlassung des Verteidigungsministeriums bzw. der dort angesiedelten Abteilung für Veteranenangelegenheiten an der Universität Caen eine Stelle eingerichtet. Sie war mit Geschichtsstudenten besetzt, die auf diese Weise ihren Militärdienst ableisteten. Sieben Jahre arbeiteten insgesamt 18 Personen während ihres Wehrdienstes an der Erstellung eines nationalen Gedenkbuches. Dazu kamen Mitarbeiter der Stiftung und vom Bildungsministerium dorthin delegierte Lehrer, wozu auch Thomas Fontaine gehörte. Er ist mit Cédric Neveu einer der besten Kenner der Geschichte des Gestapo-Lagers Neue Bremm in Frankreich. Beide haben profunde Untersuchungen zur Bedeutung des Lagers unter der deutschen Besetzung Frankreichs und die Folgen für die Frauen und Männer des Widerstands vorgelegt.
Im Dezember 2006 hatte die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) Saar der Initiative bzw. der Landeszentrale für politische Bildung des Saarlandes eine CD-Rom der 2004 erschienenen vierbändigen Ausgabe des insgesamt 6.000 Seiten starken Livre Mémorial zur Verfügung gestellt.

Der Vierte Band des Livre Mémorial verzeichnet alle aus Frankreich deportierten Widerstandskämpfer:innen.

Titelansicht des Bandes 4 des Livre Memorial, das 2004 in sechs Bänden erschien. Foto: LpB Saarland

Sie bildet seitdem den Grundstock und den Schwerpunkt der Häftlingsdatenbank des Gestapo-Lagers Neue Bremm. Die Forschungen zur Deportation von Französinnen und Franzosen in den Jahren 1940 bis 1945 nach Deutschland wurden 2005 auf Initiative des Verteidigungsministeriums an der Universität Caen fortgesetzt. In den Folgejahren ging das Gedenkbuch online. Die Internetseite der Stiftung mit angeschlossener Datenbank  zählt 89.390 Deportierte (in der Druckausgabe waren es 86.000), die in insgesamt 363 Transportlisten aus Frankreich in die Konzentrationslager und Gefängnisse in Deutschland erfasst wurden. Heute sind längst alle Transportlisten der 48 bzw. 49 Transporte zwischen Juli 1943 und August 1944 online verfügbar. Der erste Transport vom 27. Juli 1943 ging nicht in das gerade im Aufbau befindliche Lager, sondern in das Saarbrücker Schloss, dem Sitz der Gestapo. Dort wurden die Frauen inhaftiert, bevor sie weiter in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht wurden. Es folgten bis zum 25. August 1944 weitere Transporte von Paris nach Saarbrücken. Diese sind auf der Internetseite  der Stiftung ist das Livre Memorial in der Kategorie 1: „Les départs de zones ocupées“ abzurufen. Diese Kategorie ist in fünf Bereiche unterteilt. Einer davon lautet „Les départs des camps vers au state spécifique“. Darunter sind die Transporte in das SS-Sonderlager/KZ Hinzert, in das Sicherungslager Schirmeck und in das Gestapo-Lager Neue Bremm erfasst. Die Gesamtzahl der Deportierten von Juli 1943 bis August 1944 beträgt 2.338 Personen.
Dazu kommen Personen aus Moselle, die in die von den Nationalsozialisten sogenannte „Sippenhaft“ genommen wurden. Dabei handelte es sich um Angehörige von Männern aus dem annektierten Lothringen, die zum „Reichsarbeitsdienst“ oder in die Wehrmacht einberufen wurden und sich durch Flucht oder Untertauchen dem entzogen hatten. Fleury/Walter zählen 743 Personen, die davon betroffen waren (Fleury/Walter 2008, S.10) sorgte für einen Anstieg der Internierten im Lager Neue Bremm zwischen Juni und August 1944, einem Zeitraum, der zugleich durch das Vorrücken der US-Armee bzw. der Alliierten gekennzeichnet war. So nahm am31.08.1944 General Patton mit der 3. US-Armee Verdun ein. Seit dem 03.09.1944 waren alle zivilen und militärischen Strukturen in Moselle zerstört, so dass rund 50 Personen im Livre Mémorial erfasst sind, die aus Frankreich in Gefängnisse Deutschland überstellt wurden.
Welche Funktion das Lager Neue Bremm für die Transporte aus Frankreich hatte, erklärte Thomas Fontaine schlüssig (Fontaine 2008, S. 39) bei dem Kolloquium in Metz im Jahr 2007: Die in das Lager Neue Bremm verbrachten Franzosen waren sogenannte Nacht-und-Nebel-Gefangene, die möglichst schnell aus Frankreich verschwinden mussten, um damit weiteren Widerstand zu verhindern. Denn das spurlose Verschwinden bei „Nacht und Nebel“ von Menschen sollte andere davon abhalten, es ihnen gleichzutun. Das Lager Neue Bremm war daher eine Zwischenstation, Fontaine nennt es „aiguille“ (Weiche), um diese Männer möglichst schnell verschwinden zu lassen. Von Saarbrücken aus konnten sie dann in Konzentrationslager verschleppt werden. Eine ähnliche Funktion hatte das Lager auch für die Frauen des Widerstands in Frankreich. Um die in Pariser Gefängnissen einsitzenden Frauen den zügig in Richtung Paris vorrückenden Alliierten zu entziehen, brachte man die Frauen zwischen Mai und August 1944 in das Lager Neue Bremm. Der letzte Transport vom 25. August 1944 aus Paris erreichte Saarbrücken. Am Tag darauf wurde Paris befreit, so dass auch hier das Lager Neue Bremm als Durchgangslager diente, bevor die Frauen in das Konzentrationslager Ravensbrück verbracht wurden.  Insgesamt wurden insgesamt 60.300 Frauen und Männer des Widerstands in Frankreich (Fontaine 2008, S. 41) nach Deutschland in Lager und Gefängnisse verschleppt. 2.338  Menschen gingen dabei von Juli 1943 bis August 1944 laut Livre Mémorial über das Gestapo-Lager Neue Bremm.

Ein abschließender Blick auf die Fakten und die Zahlen

Elisabeth Thalhofer spricht in ihrem Standardwerk über das Lager Neue Bremm (Thalhofer, 2004/2019, S. 82) von einer „regelmäßigen“ (Thalhofer 2019, S. 82) Belegung des Männerlagers mit 400 bis 500 Internierten, ohne dass diese Zahlen von ihr näher begründet wurden.

2002 erschien die erste wissenschaftliche Publikation zum Gestapo-Lager Neue Bremm in Saarbrücken

Erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Gestapo-Lager Neue Bremm. Foto: Repro LpB Saarland.

Das Frauenlager soll regelmäßig mit „150 bis 200“ Frauen und in der „Schlussphase auch bis zu 400 weiblichen Gefangenen“ (ebd.) belegt gewesen sein. Dazu soll es „regelmäßig größere Gefangentransporte aus Frankreich“ gegeben haben, womit der Zeitraum zwischen Juli 1943 und August 1944 gemeint ist. Die durchschnittliche Besetzung der 49 Transporte ergibt anhand der im Livre Mémorial abrufbaren Transportlisten, bei einem wöchentlichen Transport rund 45 Personen pro Transport. Zu der Zahl der 2.338 Französinnen und Franzosen kommen die aus Frankreich verschleppten Deutschen, darunter Saarländer, die in den Transporten aus Paris saßen, aber im Livre Mémorial nicht erfasst sind. Es handelt sich dabei um Männer, die nach 1935 nach Frankreich geflohen waren. Sie wurden meist im Lauf des Jahres 1943 verhaftet und nach Deutschland zurückgebracht, wo man sie wegen Hoch- und Landesverrates vor Gericht stellte. Dabei handelt es sich bislang anhand der im Saarländischen Landesarchiv verwahrten und unter dem Suchbegriff „Neue Bremm“ ausgewerteten Landesentschädigungsakten um zirka 100 Personen. Dazu zählen auch diejenigen, die im Zuge der „Aktion Gewitter“ nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 mehrere Tage oder Wochen im Lager Neue Bremm in Haft waren.

Luftaufnahme des Gestapo-Lagers Neue Bremm vom 25. Februar 1945

Luftaufnahme des Männer- und Frauenlagers Neue Bremm am 25. Februar 1945.

Dazu kommen Zwangsarbeitende aus Osteuropa, die zur sogenannten „Arbeitserziehung“ in das Gestapo-Lager Neue Bremm eingewiesen worden waren. Die Gesamtzahl ist soweit unbekannt bzw. anhand der vorliegenden Fälle in den wenigen erhaltenen Gestapo-Akten und dem Strafbuch der RESW auf rund 100 bis 150 zu schätzen. Auch hier gilt es, wie im Lager Etzenhofen bei der Berechnung der Interniertenzahlen Entlassungen und Neuzugänge zu berücksichtigen. Zu den zirka 3.100 Französinnen und Franzosen aus Paris und Lothringen kommen rund 150 bis 250 im Lager inhaftierte Saarländer, darunter auch Zwangsarbeitende, deren genaue Zahl jedoch nicht feststeht, ergibt sich eine Zahl von geschätzten 3.600 Personen. Anhand der von Elisabeth Thalhofer erwähnten Belegzahlen von 400 bis 500 Männern im 16 Monate bestehenden Männerlager und 150 bis 200 Frauen im neun Monate existierenden Frauen ergibt sich eine Höchstzahl zwischen 8.000 bis 10.000 Personen. Dabei wäre zu klären, wie diese Belegzahlen logistisch und räumlich bewältigt wurden. Darum ist hier weitere wissenschaftliche Forschung dringend geboten.

Literatur

  • Béatrice Fleury/Jacques Walter: Qualifier de lieux de détention et de massacre. Colloque sous la direction de Béatrice Fleury et Jacques Walter. Questions de communication. Série actes 5. Metz 2008. S. 7-23.
  • Béatrice Fleury: Quand des victimes sortent de l’oublie. Mobilisation franco-allemande à la Neue Bremm (1978-1997). In: Histoire et mémorie de la Camp Neue Bremm. Colloque sous la direction de Béatrice Fleury et Jacques Walter. Questions de communication. Série actes 5. Metz 2008. S. 57-74.
  • Thomas Fontaine: Les rồles du camp de Sarrebruck dans les déportations depuis la France occupée (été 1943 – été 1944). In: Histoire et mémorie de la Camp Neue Bremm. Colloque sous la direction de Béatrice Fleury et Jacques Walter. Questions de communication. Série actes 5. Metz 2008. S.39-55.
  • Klaus-Michael Mallmann, Gerhard Paul: Herrschaft und Alltag. Ein Industrierevier im Dritten Reich. Reihe „Widerstand und Verfolgung im Saarland 1935-1945“. Herausgegeben von Hans-Walter Herrmann. Band 1. Bonn u.a. 1991.
  • Cédric Neveu: La Neue Bremm et la répression en Moselle annexée (juin 1943- décembre 1944). In: Histoire et mémorie de la Camp Neue Bremm. Colloque sous la direction de Béatrice Fleury et Jacques Walter. Questions de communication. Série actes 5. Metz 2008. S. 23-39. 
  • Christian Reuther: Zwangsarbeit in Völklingen. Eine Bestandsaufnahme. Fulcolingas. Beiträge zur Geschichte der Stadt Völklingen. Band 4. Völklingen 2018.
  • Elisabeth Thalhofer: Das Lager Neue Bremm. Geschichte des Saarbrücker Gestapo-Lagers. Mit einem Vorwort von Rainer Hudemann. Vollständig überarbeitete und ergänzte Neuausgabe. St. Ingbert 2019.
  • Elisabeth Thalhofer: Entgrenzung der Gewalt. Gestapo-Lager in der Endphase des Dritten Reiches. Paderborn 2010.