Ab Februar 1944 bestand offiziell das Frauenlager auf der Neuen Bremm. Dort waren Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa und im Widerstand tätige Frauen aus Frankreich interniert. Ebenso kamen Angehörige von französischen Männern aufgrund von „Sippenhaft“ in das Lager. Diese hatten sich der Einberufung in die Wehrmacht oder den Reichsarbeitsdienst entzogen. Einige der Frauen wurden Verhören unterzogen. Dabei wurden sie geschlagen und gefoltert. Doch anders als bei den Männern waren sie vielfach weniger körperlichen als psychischen Qualen ausgesetzt, worunter sie noch Jahrzehnte nach ihrer Befreiung litten.
Das ehemalige Frauenlager im Gestapo-Lager Neue Bremm
Im Juli 1943 erfolgte die Erweiterung des ehemaligen Lagers für Kriegsgefangene oder eines Lagers des Reichsarbeitsdienstes (RAD) zum Gestapo-Lager, folgt man der Darstellung von Johann Ludwig Steines, der zu den Häftlingen des Gefängnis Lerchesflur gehörte und gemeinsam mit dienstverpflichteten Arbeitern und mutmaßlich auch im Forbacher Stammlager Stalag XII F inhaftierten Zwangsarbeitern errichteten. Da Lager befand sich an der Stadtgrenze zu Forbach, das nach der Annexion von Elsass-Lothringen im Mai 1940 zum Stadtgebiet von Saarbrücken gehörte. Damals wurde auch ein Löschwasserbecken wegen der Brandgefahr der Holzbaracken angelegt. Ab Juli war hier offiziell ein „Erweitertes Polizeigefängnis“. Es bestand bis November 1944 mit einem Männer- und ab Dezember 1943 mit einem ebenfalls mit einem Löschwasserbecken versehenen, baugleichen Frauenlager (=“Sonderbarackenlager II“). Insgesamt standen 16 Baracken auf 5.600 Quadratmetern Fläche. Das entspricht exakt der Fläche der Hamburger Kunsthalle. Das Lager wurde im November 1944 aufgelöst und nach Heiligenwald bei Neunkirchen/Saar verlegt. Die Holzbaracken wurden abgebaut und als Baumaterial genutzt. Es blieben nur die beiden Löschwasserbecken und Teile der Lagerumzäunung zurück.

Ansicht des späteren von der Gestapo genutzten Lagers um 1940. Quelle: LpB Saarland
Die „Neue Bremm“ war Sammel- und Durchgangslager für Mitglieder der Résistance und Lothringer, die sich der Einberufung zur Wehrmacht entzogen hatten sowie deren Angehörigen. Dazu kamen 1935 vor politischer Verfolgung nach Frankreich geflohene Saarländer, die später sich den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg anschlossen. Sie wurden nach ihrer abermaligen Flucht nach Frankreich verhaftet. Auch sie wurden von Saarbrücken weiter nach Dachau, Mauthausen, Auschwitz oder Ravensbrück verschleppt. Das Lager war zudem Ausweichquartier für das überfüllte Lerchesflur-Gefängnis und damit Haftort für Stadtverordnete und Gewerkschaftssekretäre der SPD, KPD und des Zentrums. Die „Neue Bremm“ diente als Straf- und Disziplinierungslager für Zwangsarbeitende bzw. sogenannte „Ostarbeiter“, die in der saarländischen Industrie eingesetzten waren. Dazu zählten Frauen, die wegen sogenannter „Arbeitsbummelei“ oder „Arbeitsverweigerung“ zur sogenannten „Arbeitserziehung“ in das Lager eingewiesen wurden. Nach dem Attentat am 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler wurden dort politische Gegner aus dem Saarland inhaftiert. Auch dieser Haftgruppe gehörten, meist ältere Frauen als ehemalige Funktionärinnen der KPD oder der SPD sowie als ehemalige Stadtratsmitglieder an.
Die 1947 errichtete Gedenkstätte: Kein Ort des Erinnerns an die Leistung und das Leid der Frauen
1947 wurde auf Veranlassung des Militärgouverneurs Gilbert Grandval vor dem ehemaligen Lager im Gedenken an die dort inhaftierten Franzosen eine Gedenkstätte errichtet. Da die Konzeption vorsah eine Blickachse zur Spicherer Höhe, dem Schlachtfeld des Deutsch-Französischen Krieges vom markanten Obelisken über das Lagergelände hinweg zu errichten, passte das Frauenlager nichts in Konzept. Dazu kam der damals geltende männlich dominierte Résistance-Mythos, in dem für widerständige Französinnen kein Platz gewesen war.

Luftbildaufnahme Gedenkstätte Neue Bremm aus dem Jahr 1961. Das Areal des ehemaligen Frauenlagers war längst überwachsen. Quelle: LVGL Saarland
Da das Gelände des Frauenlagers nicht zur ursprünglichen Gedenkstätte gehörte und wieder wie unbebautes Land schien, wurde dort 1975 ein Hotel errichtet. An die Stelle des Löschwasserbeckens trat der beheizte Swimmingpool. Der Hotelneubau auf dem Gelände ist daher weniger deutscher Ignoranz als französischem Chauvinismus geschuldet. Bei der Konzeption der Gedenkstätte 1947 blieb das Gelände des ehemaligen Frauenlagers unbeachtet. Da die Baracken abgebaut waren, so dass das Gelände wieder brach lag, geriet das Frauenlager in Vergessenheit. Als Grund für diese Entscheidung gilt der Umstand, dass im Frauenlager anders als im Männerlager vor allem durch stundenlanges Stillsitzen in einer dunklen, unbelüfteten Baracke starke psychische, aber keine extreme physische Gewalt gegen die Inhaftierten ausgeübt worden war. Daher stand auch das Löschwasserbecken als Ort des Terrors im Zentrum der Gedenkstätte aus dem Jahr 1947.
Der Ort der körperlichen Gewalt und des Terrors war das Männerlager. Das Löschwasserbecken stand dafür ein. Im baugleichen Frauenlager spielte es hingegen keine Rolle. Die Frauen mussten dort Stillsitzen oder Näharbeiten verrichten. Zudem stand in der Erinnerungskultur in Frankreich in den Nachkriegsjahren auf den Taten und dem Leiden der Widerstandskämpfer, die wie auf der Gedenktafel vermerkt, zu „Märtyrern“ erklärt wurden. Doch auch die Gedenkstätte vor dem Areal des ehemaligen Männerlagers erlebte nach 1957, nachdem das Saarland Bundesland der Bundesrepublik Deutschland geworden war, massive Veränderungen. Der großzügige Platz vor der Gedenkstätte, an dessen Rand die Gedenktafel in französischer Sprache auf einem Pult lag und dem Obelisken wurde seit den 1960er Jahren als Einladung zur Beschneidung, Veränderung, Verkleinerung, sprich zum Bau eines Autobahnzubringers, einer Fußgängerunterführung, zur Ausweisung eines Gewerbegebietes und zur Anlage neuer Straßen verstanden. Nach einem Ideenwettbewerb im Jahr 2000, aus dem der Entwurf „Hotel der Erinnerung“ des Teams Ballhausen, Poppensieker, Schulze-Icking als Sieger hervorging wurde die Gedenkstätte im Jahr 2004 neugestaltet. An das Frauenlager erinnert seit 2004 ein Rundbild an der Fassade des Hotels. Es zeigt die Widerstandskämpferin Yvonne Berman. Eine Infotafel unterhalb der Fassade informiert über ihr Leben.

Die Neugestaltung der Gedenkstätte „Neue Bremm“ als „Hotel der Erinnerung“ im Jahr 2004 setzte auch an der Fassade des auf dem Gelände des ehemaligen Frauenlagers 1975 errichteten Hotels ein Erinnerungszeichen mit einem Rundbild. Es zeigt Yvonne Berman aus Pau. Sie betrieb mit ihrem Ehemann ein Spionagenetzwerk. Foto: LpB Saarland
Im Frauenlager herrschten katastrophale hygienische Zustände und Schweigefolter
Die im Lager internierten Frauen mussten in der sogenannten „Schneiderei“ arbeiten. Dort trennten sie alte Uniformen auf. Einige Frauen erledigten Schanz- und Reinigungsarbeiten außerhalb des Lagers. Die politischen Gefangenen wurden bei geschlossenen Türen und Fenstern eingesperrt. Dann mussten 120 Menschen in einem Raum stillsitzen. Es herrschte Sprechverbot und Sauerstoffmangel. Die Folgen waren Panik und Angstzustände. Für die Frauen gab es weder ausreichende Waschgelegenheiten noch Toiletten. Sie mussten dafür einen in der Baracke abgestellten Eimer nutzten. Aufgrund der katastrophalen hygienischen Zustände brachen Krankheiten aus. Justine Fogel wurde mit anderen Frauen aus Lothringen in das Lager Neue Bremm gebracht und von dort in das KZ Ravensbrück gebracht. Sie wurde in Folge der sogenannten „Sippenhaft“ verurteilt, da sich die Männer ihrer Familie in ihrem Haus vor der Einberufung in die Wehrmacht und den Reichsarbeitsdienst versteckt hatten. Sie erinnert sich an die Tage auf der Neuen Bremm. Darüber berichtet sie befragt von Horst Bernard (Bernard 2001, S. 25f.):
„Schließlich wurden wir in Baracken mit vergitterten Fenstern getrieben. Trotz der sengenden Hitze wurden Türen und Fenster von außen verriegelt. Zwei eiserne Kübel befanden sich in der Baracke für unsere Notdurft. Nach einer Weile verbreiteten diese einen derartigen Gestank, dass die Luft unerträglich wurde. Unser Weitertransport war für den darauffolgenden Morgen 5 Uhr anberaumt. Drei Stunden lang blieben wir unter der stechenden Sonne versammelt. Dem Pfiff eines SS-Mannes folgend, sahen wir skelettähnliche Wesen mit geschorenen Köpfen aus den Baracken stürzen. Zum Appell versammelten wir uns um ein Wasserbecken. Hier sahen wir Gefangene, die bereits mehr tot als lebendig waren. Zur Strafe mussten sie in gebückter Haltung, die Hände im Nacken verschränkt, das Becken umrunden. Sie mussten hüpfen wie Frösche. Wenn sie stürzten, bekamen sie Stiefeltritte oder Peitschenhiebe. Es war entsetzlich und grauenvoll. Dieser unerwartete barbarische Anblick empörte uns. Aber wir sollten noch viel Schlimmeres erleben. Meine Mutter glaubte immer, einen ihrer Söhne zu entdecken. Wir hatten Mühe, sie von ihrem Irrtum zu überzeugen. Nach vier Tagen Aufenthalt an diesem traurigen Ort kamen wir auf Transport. Als Zuteilung für die Reise erhielten wir einen Kanten Brot und ein Stück Käse.“‘
Emma Niederlender, Grobliederstroff, hatte mit ihrem Mann im Wald junge Franzosen versteckt, die sich der Einberufung in die Wehrmacht entzogen. Sie kam über das Lager Neue Bremm mit ihren Kindern in das KZ Ravensbrück. Sie berichtet Horst Bernard (Bernard 2001, S. 73) von den Verhören im Lager Neue Bremm: „Sie haben mir die Finger gebrochen. Sie haben meine Hand zwischen den Türzargen und die Tür eingeklemmt. Und wie zufällig kam immer ein Folterer herein und schloss die Tür hinter sich. Vor Schmerz fiel ich jedes Mal in Ohnmacht. Damit ich wieder zu mir kam, zogen sie mich an den Haaren durch den ganzen Raum. Und diese Vorgehensweise setzten sie fort, bis ich wieder in der Lage war, auf ihre Fragen zu antworten. Sobald ich wieder zu mir kam, fing alles wieder von vorn an. Nach dieser „Behandlung“ ist die Spitze meines Zeigefingers an der rechten Hand schief angewachsen. Mir wurden die Zähne zerschlagen und die Füße verbrannt. Zeitweise kann man noch die Narben dieser Verbrennungen sehen. Ich verspüre jedoch immer noch Schmerzen im Fuß, zum Beispiel wenn ich stolpere oder wenn mir etwas auf den Fuß fällt. Ich habe lange gebraucht, um mich von diesen Foltern zu erholen. Nicht zuletzt, weil wir keine Medikamente und keine Pflege hatten. (…) In Ravensbrück war ich nur eine unter vielen, Teil einer namenlosen Masse. Das war nicht mehr das gleiche wie auf der Neuen Bremm. Dort war die „Behandlung“ zumeist „individueller Natur“. Beispielsweise wurde ich in Ravensbrück nicht mehr verhört.“
Zwangsarbeiterinnen, Frauen der Résistance und des 20. Julis und Agentinnen der Spezialeinheit „SOE“
Wer waren die Frauen, die in den Baracken jenseits des schon damals öffentlichen Alstinger Weges für Tage und Wochen inhaftiert waren?

Der Alstinger Weg war schon zur Zeit, als das Gestapo-Lager Neue Bremm bestand ein öffentlicher Weg. Er teilte das Frauen- und das Männerlager. Foto: LpB Saarland
Eine Haftgruppe waren Zwangsarbeiterinnen aus Osteuropa, die in Saarbrücken und Umgebung Zwangsarbeit leisten mussten. Sie wurden, wenn ihnen von den Vorgesetzten „Arbeitsbummelei“ oder „Arbeitsverweigerung“ – eine höchst willkürlich erhobene Beschuldigung – vorgeworfen wurde für 56 Tage in das Lager Neue Bremm zur sogenannten Arbeitserziehungshaft eingewiesen. Oder, wie es Julia Hörath formulierte: „Auf dem Gebiet der ‚Asozialen‘-Verfolgung trat die Gestapo 1941 mit einem eigenen Instrument zur terroristischen Erzwingung von Arbeitsdisziplin endgültig als Akteur neben die Kriminalpolizei.“ (Hörath 207, S. 318) 1943 stieg die Saarbrücker Gestapo mit der Inbetriebnahme des Gestapo-Lagers Neue Bremm mit ein. Jedoch dauerte es im Gegensatz zu dem im Juli 1943 errichteten Männerlager noch bis zum Oktober 1943, als das „Sonderbarackenlager II“ und damit das Frauenlager errichtet und Ende 1943 fertig gestellt wurde. Damit wurde bereits begonnen, bevor das Bauvorhaben von der Saarbrücker Baupolizeiverwaltung offiziell genehmigt worden war. (Thalhofer 2019. S. 72, 73f.)

Anschreiben vom 12. November 1943, das über die nachträgliche Genehmigung des Baues eines „Sonder-Barackenlagers erlaubt. Quelle: Stadtarchiv Saarbrücken/Landeshauptstadt Saarbrücken
Dorthin kamen nun Zwangsarbeiterinnen zur sogenannten „Arbeitserziehung“ oder das Lager wurde für sie zum Durchgangsort auf dem Weg in ein Konzentrationslager, wie das Beispiel der jungen Polin Krystyna Kaplan, die in den Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke in Völklingen Zwangsarbeit leisten musste und bereits das werkseigene Arbeitserziehungslager in Püttlingen-Etzenhofen sowie das ebenfalls für den Vollzug dieser Maßnahme genutzte Sicherungslager Schirmeck durchlaufen hatte. In das Lager wurde auch Frauen aus Saarbrücken eingewiesen, die vor 1935 als Stadtverordnete die SPD oder die KPD vertreten hatten oder als Funktionärinnen bekannt waren, wurden bei de „Aktion Gewitter“ in Folge des Attentats von Graf Stauffenberg auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 verhaftet und für mehrere Tage im Lager Neue Bremm inhaftiert. Auch hierüber geben im Saarländischen Landesarchiv bewahrte Landesentschädigungsakten Auskunft.
Während diese Haftgruppe von einem Wechsel des Haftorts verschont blieb, war das Lager Neue Bremm für die weiblichen Familienangehörigen von Männern aus dem besetzten Lothringen, die sich der Einberufung in die Wehrmacht und in den Reichsarbeitsdienst durch Flucht entzogen hatten, eine Durchgangsstation. Sie waren oft direkt über in Metz im ehemaligen Priesterseminar sitzende Gestapo in das Lager Neue Bremm eingewiesen worden. Von Saarbrücken aus überstellte man die Frauen in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, 80 Kilometer nördlich von Berlin.

„Die Müttergruppe“ von Fritz Cremer vor dem Eingang an der Lagerstraße zur Gedenkstätte Konzentrationslager Ravensbrück. Foto: LpB Saarland
Dorthin wurden auch die Französinnen gebracht, die im Lauf des Jahres 1944 von Romainville aus nach Saarbrücken gekommen waren. Es handelte sich um Frauen, die als Kuriere arbeiteten, Informationen an den Widerstand weitergaben, Mitglieder der alliierten Truppen versteckten, nach denen sie abgeschossen worden waren. Doch darunter waren auch Frauen, die bewaffneten Widerstand leisteten, Sabotageakte verübten und es damit den männlichen Résistants gleichtaten. Jedoch wurde ihr Einsatz, wie die Anlage der Gedenkstätte Neue Bremm im Jahr 1947 im Widerstand in und von Frankreich über Jahrzehnte im Vergleich zu den Männern nicht gesehen und gewürdigt.
Nacht-und-Nebel-Gefangene und das Lager Neue Bremm: Das gilt für Männer und Frauen!
Nach der Besetzung der vormals freien Südzone im November 1942 durch die Nationalsozialisten steigerte sich die Zahl der aus Frankreich nach Deutschland in Konzentrationslager und Gefängnisse deportierte Französinnen, Franzosen sowie Deutschen, die nach 1933 bzw. 1935 aus dem Saarland nach Frankreich geflohenen waren. Dabei gab es eine Gemeinsamkeit: Die ins Exil nach Frankreich geflohenen Saarländer in ein Lager ihres Herkunftsortes oder Herkunftsortes und kamen damit in das Gestapo-Lager Neue Bremm. Hier wurde entschieden, welchen Haftweg die Betreffenden von dort nehmen sollten. Nicht anders verhielt es sich bei den nach Saarbrücken gebrachten Franzosen. Sie mussten als sogenannte „Nacht- und-Nebel“(=NN) – Gefangene auf der Stelle verschwinden. Bevor klar war, in welches Konzentrationslager sie weitertransportiert wurden, kamen sie in das Lager Neue Bremm. Nicht anders verhielt es sich bei den Französinnen, wie der Geschichtswissenschaftler Thomas Fontaine schlüssig nachgewiesen hat. (Fontaine 2008. S. 39) Die Transporte mit Frauen aus Frankreich erfolgten zwischen Mai und August 1944. Sie mussten vor den allmählich näher rückenden alliierten Truppen zu evakuieren und ihre Befreiung zu verhindern. Aufgrund des Platzmangels im Saarbrücker Lerchesflur-Gefängnis entstand im Juli 1943 das Lager Neue Bremm. Als am 26. Juli 1943 ein Transport mit 58 Frauen aus Fresnes ankam, wurden diese mutmaßlich im Saarbrücker Schloss untergebracht (Livre Mémorial, 2006, S. 1006) Am 30.Juli 1943 erfolgte der Weitertransport über Frankfurt/Main in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Die Frauen waren NN-Gefangene, die isoliert werden sollten, wofür das Lager Neue Bremm eine wichtige Bedeutung hatte. In dem vorletzten Transport aus Frankreich am 8. August 1944 von Paris nach Saarbrücken waren drei Frauen, die als Halbfranzösinnen bzw. Halbengländerinnen als Agentinnen der Special Operations Executives (SOE), einer Spezialeinheit des britischen Geheimdienstes, die zu Sabotageeinsätzen in Frankreich eingesetzt worden war. Dazu gehörten Violette Szabo, Vivian Rolfe, Denise Bloch. Sie kamen nach Ravensbrück.

Die Stele zu Violette Szabo in der Ausstellung „Widerstand-Verfolgung-Deportation. Frauen aus Frankreich im KZ Ravensbrück 1942-1945.“ Foto: LpB Saarland
Nach mehreren Monaten der Zwangsarbeit wurden die drei mutigen Frauen im Februar 1945, wenige Monate vor der Befreiung von Ravensbrück, dort erschossen. Diese weiblichen und männlichen Häftlinge im Gestapo-Lager Neue Bremm, die der SOE angehörten, zeigen einen Aspekt des Widerstands, der den Mythos von der französischen Résistance aufstört und dabei nicht nur die Leistung der Frauen im Widerstand hervorhebt, sondern auch zeigt, dass die Résistance auch von England unterstützt wurde. Über die Bedeutung der SOE und deren Verbindung zu Saarbrücken folgen in den kommenden Wochen einige Beiträge in diesem Blog. Auch das gehört dazu, den weißen Fleck auszufüllen, der das Frauenlager lange bedeckte.
Literatur
- Horst Bernard: Bis zu den Schultern in der Jauche. Ehemalige des Saarbrücker KZs Neue Bremm erinnern sich. Saarbrücken 2001.
- Thomas Fontaine: Les rồles du camp de Sarrebruck dans les déportations depuis la France occupée (été 1943 – été 1944). In: Histoire et mémorie de la Camp Neue Bremm. Colloque sous la direction de Béatrice Fleury et Jacques Walter. Questions de communication. Série actes 5. Metz 2008. S.39-55.
- Julia Hörath: „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ in den Konzentrationslagern 1933 bis 1938. Göttingen 2017.
- Cédric Neveu: La Neue Bremm et la répression en Moselle annexée (juin 1943- décembre 1944). In: Histoire et mémorie de la Camp Neue Bremm. Colloque sous la direction de Béatrice Fleury et Jacques Walter. Questions de communication. Série actes 5. Metz 2008. S. 23-39.
- Elisabeth Thalhofer: Neue Bremm. Geschichte des Saarbrücker Gestapo-Lagers. St.