Die Spezialeinheit „Special Operations Executive“, kurz SOE wurde im Juli 1940, bald nach der Besetzung Frankreichs, Luxemburg, Belgien und den Niederlanden durch NS-Deutschland von Premierminister Winston Churchill gegründet. Dieser Geheimorganisation gehörten rund 6.000 Personen an. Darunter waren 500 Frauen. SOE-Agent:innen wurden in ganz Europa, vor allem aber im Frankreich eingesetzt. Ihr Einsatzort: hinter den feindlichen Linien. Ihre Aufgabe: Spionage und Sabotage, um die Résistance in Frankreich zu unterstützen. Ihr Auftrag, erteilt von Winston Churchill: Europa in Brand zu stecken! Eine Mission, die vielfach scheiterte und die SOE-Agent:innen ins Gestapo-Lager Neue Bremm führte.
„An ungentlemanly Warfare in an abnormal World“
Als Eintritt in eine „abnormal world“ (Helm 2005, S. 94) bezeichnete Robert, „Bob“, Sheppard (1922-2002) das, was ihn nach dem er am 6. September 1943 von dem Gefängnis in Fresnes bei Paris nach Saarbrücken in das Lager Neue Bremm mit dem bislang fünften Transport aus Frankreich mit weiteren 51 Männern gelangt war. Es war die Zeit, als der Terror im Lager gegen die Häftlinge schlagartig eskalierte, weil die Lagerleitung den als Aufsehern eingesetzten ehemaligen Bergmännern im Ruhestand keinen Einhalt gebot. Damals lagen hinter Robert Sheppard bereits mehrere Jahre als Agent für die Spezialeinheit Special Operation Executives (SOE).
Diese wurde im Sommer 1940, nachdem im Mai die Wehrmacht in deren Westfeldzug den nördlichen Teil Frankreichs, die Niederlande, Belgien und Luxemburg besetzt hatte, von Premierminister Winston Churchill gegründet. Nur die Meerenge zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland, der Ärmelkanal trennte noch Großbritannien von den Deutschen. Ein Grund zur Besorgnis für den Premierminister, der auf diese Bedrohungslager mit einer besonderen Strategie reagierte. Er nannte diese „ungentlemanly warfare“. Damit war eine wenig fair sich gebende, weil aus dem Hinterhalt agierende Kriegsführung gemeint, die nicht dem entsprach, was einem Gentleman gemäß sein sollte. Also kein Fairplay, sondern das Gegenteil davon unter fand unter dem Namen „SOE“ statt und folgte dem Befehl Churchills, „Europa in Brand zu setzen“. Die Mittel und Methoden entsprachen denen von Untergrundkämpfenden. Sabotageakte, etwa Sprengungen und Zerstörungen von Infrastruktur, wie Straßen und Gleisen sollten überall dort erfolgen, wo der öffentliche Widerstand nicht mehr möglich war. Die deutsche Besatzungsmacht sollte zermürbt, und der Widerstand unter der Bevölkerung in den besetzten Gebieten Europas unterstützt und organisiert werden. Doch die Zahl derer, die in Frankreich Widerstand leisteten war im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nicht groß. Es handelte sich um 200.000 Menschen, die 1944 Widerstand leisteten.

Gedenktafel für die im Gefängnis in Fresnes internierten Mitglieder der Résistance. Foto: Lionel Allorge – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14979303
Ihr Anteil betrug zwei Prozent von der gesamten französischen Bevölkerung. Daher war auch von den SOE-Agent:innen Vorsicht verlangt, den Verrat und Denunziation durch die sich mit den Deutschen arrangierende Bevölkerung gehörten zu deren Alltag im besetzten Frankreich.
Doch die Zahl der Widerständigen und deren Sympathisant:innen stieg allmählich an. Sie war verbunden mit den gegen die französische Bevölkerung erlassenen Maßnahmen, wie die Einberufung in den verpflichtenden, also Zwangsarbeitsdienst in Deutschland der Regierung in Vichy im Jahr 1944. Das ließ die Zahl der Résistants ansteigen. Jedoch war nach der Besetzung der sogenannten Freien Zone im Süden Frankreichs nach dem 11. November 1942 die Gestapo auch in diesem Landesteil präsent, was die Situation der SOE-Agent:innen und der Résistants erschwerte. Es wurden auch damals, ungeachtet der nach der Landung in der Normandie im Juni 1944 näher rückenden alliierten Truppen, und damit der bevorstehenden Befreiung viele Männer und Frauen des Widerstands verhaftet und nach Deutschland verschleppt. Im Sommer 1944 hatte Robert Sheppard bereits das dritte Konzentrationslager überlebt seit er im September 1943 im Gestapo-Lager Neue Bremm aus Fresnes angekommen war.
Die F-Sektion und ihre Mitarbeiter:innen im Auftrag Großbritanniens
Als Sohn einer französischen Mutter und eines britischen Vaters brachte Robert Sheppard ideale Voraussetzungen für einen SOE-Agenten mit. Er sprach beide Sprachen perfekt und konnte daher in Frankreich eingesetzt werden. Als seine Eltern im Mai 1940 während des Westfeldzugs der Wehrmacht und der damit verbundenen Besetzung Frankreichs als sogenannte „Feindliche Ausländer“ in Frankreich interniert wurden, ging der damals 18-jährige allein zurück nach London. Er kam dort mit dem Hauptquartier der SOE in Kontakt. Das Hauptquartier war in der Londoner Baker Street untergebracht. Die Spezialeinheit war dem Kriegsministerium unterstellt. Die Aktivitäten in Frankreich wurden von der sogenannten F (wie Frankreich) -Sektion koordiniert. Deren Leiter war Maurice Buckmaster(1902-1992). Seine Mitarbeiterin war Vera Atkins (1917-2013), die sich um die SOE-Agentinnen kümmerte. Mutmaßlich waren Buckmaster und Atkins die Vorbilder für die Figuren „M“ und „Moneypenny“ in den Romanen um den Geheimagenten James Bond von Ian Fleming.
Wie schwierig diese Arbeit war, etwa im Hinblick auf die Einschätzung von Informationen über die verhafteten Agentinnen und Agenten und die daraus resultierende Gefährdung der von der SOE aufgebauten Netzwerke in Frankreich hat Sarah Helm als „tragic incompetence“ (Sarah Helm 2005, S. 296) bezeichnet. Die britische Autorin Sarah Helm hat vor 20 Jahren eine Publikation über die Männer und Frauen der SOE vorgelegt, in deren Zentrum die SOE-Führungsperson Vera Atkins stand. Sie gibt Auskunft über das Leben und Sterben der SOE-Agent:innen in ihrem Widerstand gegen die NS-Diktatur in Frankreich. Darin finden sich auch Schilderungen von Robert Sheppard, Stéphane Hessel, Yvonne Baseden-Burney von deren Aufenthalten im Gestapo-Lager Neue Bremm.
Robert Sheppard und seine Einsätze für die SOE in Frankreich
Zwei Jahre vor der Inbetriebnahme des Lagers hatte die SOE 1941 ihren ersten Einsatz in Frankreich. Im Jahr darauf sprang Robert Sheppard erstmals mit einem Fallschirm in der Nähe von Lyon ab. Unglücklicherweise landete er auf dem Dach der Polizeistation in Anse. Er wurde in Haft genommen, bekam Grippe und wurde in ein Krankenhaus verlegt, aus dem er mit Hilfe der Einheimischen fliehen konnte. Doch er erfüllte seine Mission und gab Informationen an den Widerstand in Frankreich weiter und kehrte nach London zurück. 1943 wurde er bei seinem nächsten Einsatz in den Pyrenäen verhaftet. Auch er, der in Frankreich mit dem Decknamen „Robert Marceline“ operierte, war an die Gestapo verraten und am 18. Februar 1943 verhaftet worden. Vom Gefängnis in Fresnes bei Paris kam er am 7. September 1943 in Saarbrücken an.

Ansicht Gefängnis Fresnes, 2011. Foto: Lionel Allorge – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=14979286
Bis zu diesem Moment hatte er noch nichts von Konzentrationslager gehört, erinnert er sich im Buch von Sarah Helm (Helm 2005, S. 94): „Even Paris with the Gestapo had been the normal world.“ Auch wenn dort brutal mit den Gefangenen umgegangen wurde, fügte er hinzu. Doch im Vergleich mit dem, was bald darauf in Saarbrücken erwartete, war es „relativ normal“, so Sheppard. Bei seiner Ankunft im Lager in Saarbrücken „vollkommen neue Regeln“, „eine neue Haltung“, „eine andere Art zu leben“ vor, wie er schrieb: Er wurde nach seiner Ankunft am 7. September 1943 im Lager Neue Bremm gezwungen, einen Mithäftling zu schlagen, was er ablehnte. Daran mussten sie sich anpassen, was einige der Häftlinge nicht ertrugen. Er sah, schrieb er weiter, wie diese daran zugrunde gingen, weil sie nicht glauben konnten, was hier mit ihnen geschah. Sheppard blieb wenige, aber ihn vollkommen schockierende Tage im Lager Neue Bremm, bevor er in das Konzentrationslager Mauthausen transportiert wurde, wo er am 18. September 1943 ankam. Von dort gelangte er am 23. Juni 1944 in das Konzentrationslager Natzweiler, bevor er am 6. September 1944 in Dachau als Zugang registriert wurde. Er wurde dort am 29. April 1945 von der US-Armee befreit. Am 8. Mai 1945 war zurück in London und feierte dort mit seinen Landsleuten den Sieg über und die Befreiung von NS-Deutschland. Er wurde mit dem Croix de Guerre 1939-1945, der höchsten Auszeichnung für einen Kriegsteilnehmer in Frankreich ausgezeichnet.
Junge Frauen und Männer, die Haft und der Tod im Konzentrationslager erleiden mussten
Erklärtes Ziel der Spezialeinheit SOE war es, dem Feind durch unkonventionelle militärische Aktionen Schaden zuzufügen. Die Frauen, die vermehrt Führungsrollen in der Organisation innehatten, waren geübt im Umgang mit Waffen. Dabei wurden den Agentinnen spezielle Aufgaben zugeteilt, bei denen Männer leichter Verdacht erregt hätten. Dazu zählte der Transport von Funkgeräten, das Funken selbst und das Weitergeben von Informationen. Frauen wurden daher oft als Funkerinnen oder Kuriere eingesetzt. Hier war die Welt zwischen Männern und Frauen, ungeachtet der alle und alles bedrohenden Krieges, immer noch ein Stück in Ordnung. Aber: wenn es der guten Sache dient, war auch dies zu akzeptieren. Insgesamt waren 41 SOE-Agentinnen in Frankreich im Einsatz, von denen ein Dutzend in Konzentrationslagern ermordet wurden. Jedoch wurden Männer und Frauen gleichermaßen in Spionagetechniken, Selbstverteidigung, dem Umgang mit Sprengstoffen und Waffen ausgebildet.
Zu den SOE-Agentinnen gehörte auch die junge Witwe Violette Szabo (1921-1945). Auch sie war gleichermaßen perfekt in Englisch wie in Französisch. Die SOE sprach sie wegen ihrer Französischkenntnisse an und sie, die gerade ihren Mann im Krieg verloren hatte, sagt zu. Ihren Einsatz im April 1944 in Rouen und Paris überstand sie und kehrte Ende April 1944 nach London zurück. Den nächsten Einsatz am 8. April 1944, nur zwei Tage nach der Landung der Alliierten in der Normandie, in der Region Limoges sollte fehlschlagen. Dabei gehen die Darstellungen des Tathergangs auseinander. Die offizielle Version ist die, dass Szabo, die in der Rolle einer verwitweten Antiquitätenhändlerin reiste in eine Straßensperre geriet und dort, da sie bewaffnet war, sofort von der Waffe Gebrauch machte. Sie wurde überwältigt und kam über Limoges nach Fresnes. Spätere Recherchen ergaben (Helm 2005, S. 431), dass diese Geschichte erfunden worden war, um für sie das Georg Cross, eine hohe militärische Auszeichnung in Großbritannien beantragen zu können und zugleich jeden Makel oder Zweifel an ihrer Tapferkeit zu zerstreuen, woran vor allem Vera Atkins gelegen war (Helm 2005, S. 431). Denn die Leistung der SOE sollte in der Erinnerung an sie nicht durch Verrat getrübt werden. Von Verrat von London hatte Violette Szabo (Helm 2005, S. 413) gesprochen. Verrat brachte auch die indisch-englische Prinzessin Nora Inayath-Khan ins Konzentrationslager Natzweiler, die dort ermordet wurde. Es ist eindeutig belegt, dass die Schwester des Leiters des Zirkels, dem Nora Inayath-Khan (1914-1944?) angehörte, sie aus Eifersucht verraten hatte. (Helm 2005, 294f.) Inayath-Khan hatte sich in einen Agenten verliebt und er in sie, was die in ihrer Liebe Enttäuschte zu dieser Tat veranlasst hatte.
Violette Szabo erhielt 1947 das „Georg Cross“. Selbst wenn sie nicht durch eine Schießerei in Gefangenschaft geriet, war sie eine sehr tapfere Frau, die mit einem Fallschirm hinter den feindlichen Linien abgesprungen und dort ihre Aufgabe als Funkerin und Kurierin erfüllt hat. Sie musste in Fresnes schwerste sexuelle Gewalt ertragen und war in Ravensbrück, aber auch schon in Saarbrücken für ihre Mithäftlinge ein Vorbild, das anderen half, in der Haft nicht zu verzweifeln. (Helm 2005, S. 431) Davon berichtet Yvonne Baseden-Burney (1922-2017), die mit ihr im Lager Neue Bremm für einige Tage im August 1944 zusammentraf.

Der Alstinger Weg war schon zur Zeit, als das Gestapo-Lager Neue Bremm bestand ein öffentlicher Weg. Er teilte das Frauen- und das Männerlager. Foto: LpB Saarland
Mit Violette Szabo waren Denise Bloch(1916-1945) und Lilian Rolfe (1914-1945), die ebenfalls de SOE angehörten am 8. August 1944 mit einem Transport von 38 Männern von Fresnes nach Saarbrücken gekommen. Auch Yvonne Baseden, die sich nicht als Engländerin zu erkennen geben wollte und daher kein Englisch sprach, sondern weiterhin für eine Französin gehalten werden wollte, beschrieb die gefasste Haltung von Violette Szabo in der stickigen Baracke, in der die Frauen eingepfercht waren und stillsitzen mussten. (Helm 2005, S. 99/100) Baseden, die aus Dijon oder Nancy in das Lager Neue Bremm gekommen war, bestieg am 2. September einen Zug aus Belfort auf dessen Halt in Saarbrücken. Sie kam mit ihm in das Konzentrationslager Ravensbrück. Dort traf sie Monate später die drei anderen wieder. Die drei Frauen waren zwar bereits am 22. August aus Saarbrücken weitertransportiert worden. Doch kamen sie zuerst nach Torgau in ein Außenlager des Konzentrationslagers Ravensbrück. Dort blieben sie bis Januar 1945, wo sie in einem weiteren Außenlager bei strenger Kälte Baumstümpfe roden mussten, um ein Flugfeld vorzubereiten. Sie wurden dann in das Hauptlager Ravensbrück verlegt und im Strafblock inhaftiert. Vermutlich wurden sie am Abend des 5. Februar 1945 sie auf Befehl des Lagerkommandanten Fritz Suhren im Hof neben dem Krematorium mit Genickschüssen getötet. Ihre Leichen wurden verbrannt.
In Ravensbrück wurden die SOE-Frauen oft als „französische Fallschirmspringerinnen“ bezeichnet. Belegt ist, dass zehn SOE-Frauen in Ravensbrück ermordet wurden: Hingerichtet wurden am 18. Januar 1945 Marie-Louise Cloarec, Eugenie Djendi (alias Jenny Silvani), Suzanne Mertzisen und Pierrette Louin (alias Pierrette Salinas), die der von Charles de Gaulle im Londoner Exil geleiteten RF-Sektion angehörten. Auch Germaine und Madelaine Tambour und Ciceliy Lefort, ebenfalls F-Sektion wurden ermordet. Seit 1948 erinnert in der Saint Pauls Church im Londoner Stadtteil Kensington eine Gedenktafel an die im Widerstand umgekommenen Frauen 1991 wurde in Valencay im Departement Indre, für die 13 Agentinnen und 91 Agenten der Sektion „F“ ein Denkmal errichtet.
Fast 50 Angehörige der SOE waren im Lager Neue Bremm
Fast 50 Frauen und Männer der SOE kamen in den Jahren 1943 und 1944, zwischen September 1943 und August 1944 auf ihrem Weg in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau, Mauthausen und Ravensbrück in das Gestapo-Lager Neue Bremm. Robert Sheppard war von Saarbrücken nach Mauthausen verschleppt worden. Der SOE-Funker Brian Stonehouse (1918-1998), ein Zeichner, der später für das Modemagazin Vogue arbeitete und daher mit seinen Zeichnungen von Mithäftlingen und der Örtlichkeit von Natzweiler wichtige Dokumente lieferte, der legendäre Albert Guerisse (1911-1989), Deckname Patrick O’Leary, dessen von ihm aufgebaute Flucht- und Transportroute, die sogenannte Pat-Line erfolgreich hinter den feindlichen Linien abgestürzte Piloten und Agenten dem Feind entzog, Tom Groome, der als Funker half, die Pat-Line aufrecht zu erhalten, sie alle waren ebenfalls für kurze Zeit – vermutlich zwischen September und Oktober 1943 in Saarbrücken inhaftiert, bevor sie nach Mauthausen von dort nach Natzweiler und nach Dachau überstellt wurden. Auch sie wurden dort wie Robert Sheppard befreit, wobei bis zuletzt das Inkognito von Albert Guerisse gewahrt blieb.

Eine Tafel der Wandausstellung auf der Gedenkstätte Gestapo-Lager Neue Bremm verweist auf die drei SOE-Agenten Robert Sheppard, Albert Guerisse alias Patrick O’Leary und Brian Wary Stonehouse. Foto: LpB Saarland
Mit dem letzten Transport aus Paris, das nur wenige Tage später befreit wurde, kamen am 8. August 1944 die ebenfalls für die SOE arbeitenden Stéphane Hessel (1917-2013), der spätere Diplomat und Schriftsteller sowie Forest Yeo-Thomas (1902-1964), einem Freund von Winston Churchill und Bernard Guillot sowie Emile Garry, dessen Schwester aus Eifersucht die indische SOE-Agentin Nora Inayath Khan verraten hatte. Sie kamen in das Konzentrationslager Buchenwald, wo sie alsbald hingerichtet werden sollten. Durch einen Handel mit einem SS-Offizier, der um den Sieg der Alliierten wissend sich hilfsbereit zeigte und eines Funktionshäftlings bzw. eines Kapos wurden Hessel und andere Häftlinge gerettet. Man tauschte deren Identitäten mit denen einiger todkranker Häftlinge, die in diesen Tagen an Typhus verstarben. Man behauptete dafür, die zum Tode Verurteilten hätten sich angesteckt und wären vor ihrer Hinrichtung verstorben, so schilderte es Stéphane Hessel (Hessel 1998, S. 102f.). Bernard Guillot gelang die Flucht. Diese Menschen kamen mit dem Gestapo-Lager Neue Bremm in Kontakt und erwähnten diesen Ort in ihren Lebenserinnerungen und Darstellungen ihrer Haftzeit. Mehr über die Frauen und Männer der SOE, die in Saarbrücken auf ihren Weitertransport warten mussten in den kommenden Blogbeiträgen.
Beitrag erstellt mit Material von Diplomsoziologe Dieter Raab, ehemaliger Mitarbeiter der Initiative Neue Bremm in den Jahren 2012 bis 2014.
Literatur
- Horst Bernard: Neue Bremm. Das Lager. Ehemalige Häftlinge des Gestapo-Lagers Neue Bremm erinnern sich. Saarbrücken 2014.
- Sarah Helm: A life in secrets. The Story of Vera Atkins and the lost agents of SOE. London 2005.
- Robert Sheppard: Missions sècretes et déportation, 1939-1945. Les roses de Picardie. Bayeux 1998.
- Stéphane Hessel: Tanz mit dem Jahrhundert. Zürich 1998.