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Das Saarbrücker Schloss als Gedenkort

Allgemein, Frauen, Gedenkstätte, Männer

Das Saarbrücker Schloss ist bis heute ein Wahrzeichen der Stadt Saarbrücken. Im Saarbrücker Schloss spiegelt sich die Geschichte der Saarregion: Im Mittelalter war es noch eine Burg, in der Renaissance wurde es zum Schloss. Im 18. Jahrhundert war es Sitz der Fürsten Saarbrücken-Nassau und im 20. Jahrhundert Verwaltungssitz für die Stadt, die Regierungskommission des Völkerbundes und seit April 1935 Hauptstelle der Gestapo. Nach 1945 wurde das im Krieg beschädigte Schloss erneut Verwaltungssitz. Hier ist heute die Verwaltung des Regionalverbandes Saarbrücken untergebracht.  Von 1982 bis 1989 wurde es nach den Plänen des Architekten Gottfried Böhm saniert. 1975 wurde zufällig bei Vermessungsarbeiten im Vorfeld der geplanten Renovierung des Gebäudes im Keller eine vergitterte Zelle mit zahlreichen Wandinschriften entdeckt. Damit begann die anfangs schwierige Auseinandersetzung mit dem Schloss als Täterort zur Zeit des Nationalsozialismus. Daraus entwickelte sich seit den 1980er Jahren mit dem Schloss, der erhaltenen Arrestzelle im Keller, dem 1988 eröffneten Regionalgeschichtlichen Museum mit der Dauerausstellung zur NS-Zeit an der Saar, woraus 1994 mit dem Anbau das Historische Museum Saar.

Erinnern an die NS-Zeit: über Jahrzehnte hinweg das Anliegen der Zivilgesellschaft

Die Erinnerung an die NS-Zeit, an die Opfer des Nationalsozialismus und die Orte des NS-Terrors wachzuhalten, war bis in die 1980er Jahre hinein ein Anliegen der Zivilgesellschaft. Lange bevor eine offizielle staatliche Erinnerungskultur entstand, in deren Folge Gedenkstätten entstanden und offizielle Gedenkstunden begangen wurden, setzten sich die Opfer des Nationalsozialismus selbst dafür ein, dass Täterorte erhalten und das dort erfahrene Leid der Opfer publik wurde.
Im Saarland fand in Saarbrücken am 19. April 1947 in der bis heute existierenden Gaststätte „Zum Römerbrünnchen“ in der Martin-Luther-Straße in St. Johann eine Gedenkstunde statt. Dazu hatten die im Saarland lebenden ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald am Jahrestag des „Buchenwald-Schwurs“ vom 19. April 1945 eingeladen. Nach der Befreiung des Lagers am 11. April 1945 hatte das Lagerkommittee der Häftlinge zu einer Gedenkfeier eingeladen und dabei geschworen, die Schuldigen zu verfolgen und den „Nazismus zu zerschmettern“. Das war eine Fügung, welche auf die Häftlingsgruppe der politischen Gegner, insbesondere der Kommunisten verwies, welche in der Häftlingsgesellschaft des Lagers die Mehrheit gebildet und darin ihre Weltsicht zum Ausdruck gebracht hatten.

In der Gaststätte „Zum Römerbrünnchen“ fand am 19. April 1947 eine Gedenkstunde der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald aus dem Saarland statt. Es war die erste Gedenkfeier im Saarland nach dem Ende des Nationalsozialismus. Foto: LpB Saarland

Dass die Gedenkfeier in Saarbrücken an diesem Datum stattfand, zeigte, dass auch hier der politische Widerstand zusammengekommen war. Bevor der mit der Gründung der beiden deutschen Staaten entstandene Ost-West-Konflikt die Erinnerungspolitik der Bundesrepublik bestimmte und vor allem den politischen, sprich kommunistischen Widerstand zurückdrängte, galt eine kurze Zeit der „Nachkriegsantifaschismus“ (Harald Schmid 2009, S. 178). Das hieß, dass auch das bürgerliche politische Spektrum gemeinsam mit dem kommunistischen in einer „antifaschistischen Überparteilichkeit“ (Harald Schmid 2009, S. 178) für das Gedenken an die Opfer des Faschismus eintrat. Sichtbares Zeugnis dafür war und ist bis heute im Saarland, das im Neunkircher Schiller-Park am 27. September 1947 eingeweihte Denkmal für die „Opfer des Faschismus“. Das an einen Grabstein erinnernde Denkmal ist seitdem unverändert geblieben. Es war das erste linksrheinisch errichtete Denkmal für die „Opfer des Faschismus“. In Duisburg, also rechtsrheinisch war bereits am 14. September 1947, dem eigentlichen „Opfer des Faschismus“ (OdF)-Gedenktag, der jeweils am 2. Sonntag im September stattfinden sollte, auf dem dortigen Waldfriedhof ein solches Denkmal eingeweiht worden. Das Völklinger Denkmal, entgegen der sonstigen Gepflogenheiten war am vierten Sonntag im September eingeweiht worden. Es geriet schon im Folgejahr in Vergessenheit, weil bis 1950 der OdF-Gedenktag in Saarbrücken auf dem Schlossplatz und auf der am 11. November 1947 eingeweihten Gedenkstätte Neue Bremm bis 1950 stattfanden.

Ansicht des Saarbrücker Schlossplatzes aus den 1930er Jahren. Die Anlage mit der Treppe bestand noch nach 1945. Quelle: Saarländisches Landesarchiv, NL Bruch 77/1.

Mit der Gründung zweier deutscher Staaten im Jahr 1949 und dem Beginn des Kalten Krieges zwischen Ost und West geriet dieser Gedenktag jedoch in Vergessenheit. Dazu kam der von der SPD verabschiedete Unvereinbarkeitsbeschluss. Dieser verbot es SPD-Mitgliedern zugleich in der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) Mitglied zu sein. Das galt, wenn auch etwas verspätet, ab 1951 auch im Saarland. (Sabine Graf, 2022, S. 41) Von nun an gedachten die VVN und die neugegründete Arbeitsgemeinschaft der verfolgten Sozialdemokraten (AVS) zu unterschiedlichen Terminen (OdF-Tag, Totensonntag) auf der Gedenkstätte Neue Bremm den verfolgten und ermordeten Menschen aus ihren Reihen.

Erinnern als Auftrag des französischen Militärgouverneurs an der Saar im Jahr 1947

Bereits im März 1946 wurde im Saarland-Museum die Ausstellung „Hitlers Verbrechen“ gezeigt. Sie fand im Vorfeld des von April bis Juni 1946 stattfindenden Prozesses gegen das Wachpersonal des Gestapo-Lagers Neue Bremm im Rastatter Schloss statt. Dort sagten Franzosen aus, die im Lager inhaftiert gewesen waren. Ihre Aussagen trugen nicht nur zur Verurteilung der Täter bei, sondern sie legten offen, wie groß das Ausmaß des Terrors gegen wehrlose Gefangene gewesen war. Dieser Ort sollte daher nicht in Vergessenheit geraten. Ein Jahr später, im April 1949 wurde dort auf Anordnung des französischen Militärgouverneurs an der Saar, Gilbert Grandval binnen sechs Monaten zwischen April und November 1947 eine Gedenkanlage vor dem umzäunten ehemaligen Lagerareal geschaffen worden.

Die Ausstellung machte vom 15. bis zum 31. März 1946 im Saarland-Museum Saarbrücken Station.

Gedenken mit militärischen Ehren gehörte zur Gedenkstunde am 11. November auf der Gedenkstätte Neue Bremm, so auch am 11. November 1952. Foto: Saarländisches Landesarchiv, Nachlass Erich Oettinger.

Gilbert Grandval war Mitglied der Résistance und war bestrebt, vor allem den Männern des Widerstands aus Frankreich zu gedenken, die an diesem Ort auf ihrem Weg in die Konzentrationslager Dachau oder Mauthausen, in Saarbrücken Tage oder Wochen auf ihren Weitertransport unter schwersten Haftbedingungen ausharren mussten. Es waren rund 1.000 Männer gewesen, aber auch fast 1.200 Frauen aus Frankreich, die im Lager Neue Bremm zwischen Juli 1943 und August 1944 inhaftiert waren. Jedoch blieb das Gelände des ehemaligen Frauenlagers bei der Errichtung der Gedenkstätte 1947 außen vor. Das lag vor allem an der den Entwurf maßgeblich bestimmenden Blickachse, die zwischen dem auf der Metzer Straße errichteten Obelisken, dem eingezäunten ehemaligen Lagergelände mit Löschwasserbecken und der Spicherer Höhe, dem Schlachtfeld des Krieges von 1870/71 erzeugt wurde. Das Gelände des Frauenlagers war in diese nicht einzubeziehen. Auch war der weibliche Widerstand zu dieser Zeit – nicht nur in Frankreich – noch lange nicht anerkannt. Doch auch die Gedenkanlage vor dem ehemaligen Männerlager verlor, nachdem das Saarland nach der Abstimmung vom 23. Oktober 1955 im Jahr 1957 Bundesland der Bundesrepublik Deutschland geworden war, binnen zehn Jahren ihre Form. Der Gedenkplatz vor dem Lagergelände wurde im Lauf der 1960er Jahre mit einem Autobahnzubringer überbaut. Auf Teilen des Lagergeländes entstand ein Gewerbegebiet und auf dem vernachlässigten Gelände des ehemaligen Frauenlagers 1975 ein Hotel. Gedenken an das Lager Neue Bremm und die darin terrorisierten Menschen reduzierte sich auf das Niederlegen von Kränzen auf der von 1947 erhaltenen Gedenktafel zu verschiedenen Gedenkanlässen. Hier traf man sich am 8. Mai und am 1. September, aber auch, um den Männern des 20. Juli 1944 zu gedenken. Das entsprach der Erinnerungskultur dieser Jahre, wie überall in der Bundesrepublik. Während auf der Gedenkstätte Neue Bremm Gras über den Ort und seine Geschichte zu wachsen begann, kratzte eine Entdeckung ein paar Kilometer weiter auf dem Schlossfelsen an der verschütteten Vergangenheit eines Ortes.

Blick zurück nach vorn: Die Stadtentwicklung in St. Johann und Altsaarbrücken seit den 1970ern

Die Stadt Saarbrücken wurde nicht nur an ihrem Stadtrand durch die Anlage eines Gewerbegebietes und dem Bau eines Hotels entwickelt, was nicht ohne Folgen für die Gedenkstätte Neue Bremm blieb. Auch in der Innenstadt kam es zu Veränderungen. Das Viertel um den St. Johanner Markt geriet Anfang der 1970er Jahre in den Fokus. Derart, dass direkt über den Markt die Bundesstraße 51 verlaufen sollte. Der von Baumeister Friedrich Joachim Stengel entworfene Marktbrunnen war schon wegen des reibungslosen Straßenverlaufs versetzt worden. Jedoch regte sich dagegen Widerstand in der Zivilgesellschaft. Künstler und Architekten hatten sich zu Arbeitsgruppen zusammengefunden und Konzepte für die Gestaltung des Areals entwickelt. Die Stadt sagte zuerst „Danke“ und wollte die Pläne in die Schublade legen. Doch dagegen wehrten sich die Akteur:innen. In der Hoffnung, dass sich die Gruppen untereinander zerstreiten würden, willigte man ein, deren Pläne umzusetzen unter der Bedingung, dass man nur mit einer juristischen Person verhandelte. So entstand als Zusammenschluss der Arbeitsgruppen das Saarbrücker Bürgerforum e.V. Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass der St. Johanner Markt heute ein beliebtes und autofreies Areal ist. Auch das Saarbrücker Altstadtfest, einst gedacht als Maßnahme, um Aufmerksamkeit auf das vernachlässigte Areal zu lenken, geht auf diesen Verein zurück. (Lutz Rieger, 1997. S. 75f.) Nachdem im Stadtteil St. Johann eine städtebauliche Entwicklung angestoßen worden war, die den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürgern zugewandt war, richtete sich die Aufmerksamkeit in Sachen Stadtentwicklung auf die andere Seite der Saar auf den Stadtteil Altsaarbrücken. Wie schon beim Areal rund um den St. Johanner Markt vor seiner Sanierung eher randständig und prekär war, so erlebte nun auch das Areal zwischen Ludwigskirche und Saarbrücker Schloss seine Wiederbelebung als Kultur- und Lebensraum bürgerlicher Prägung. Auch dort hatten die Bewohner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Menschen eher prekär gelebt. Kurzum: Hier waren eher sozial schwache und arme Menschen untergekommen. Sie waren vielfach krank, alt und ohne regelmäßiges Einkommen und daher auf staatliche Unterstützung angewiesen. Hier lebten auch Menschen, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen waren und Gefängnishaft verbüßt hatten. Zur Zeit des Nationalsozialismus bedeutete dies für die dort lebenden Menschen Lebensgefahr. Eine Ideologie, die an dem Begriff der produktiven Arbeit ausgerichtet war, die Konkurrenzkampf verlangte, einem Sozialdarwinismus und damit dem Recht des Stärkeren huldigte, bestrafte alle, die nicht arbeiteten und damit mit ihrem Verhalten von der vorgegebenen Norm abwichen, in dem man sie zur „Arbeit erzog“ und „Arbeitserziehung“ anordnete oder diejenigen, die der NS-Ideologie als Gegner, „Gemeinschaftsfremde“ oder als „rassisch minderwertig“ galten zur „Zwangsarbeit“ heranzog oder der „Vernichtung durch Arbeit“ preisgab.

Stolperstein für Wilhelm Diesel

2023 wurde für Wilhelm Diesel in Altsaarbrücken in der Schlossstraße 8 ein Stolperstein verlegt. Quelle: Stadt Saarbrücken

Solche Menschen galten im Nationalsozialismus, sofern sie keiner regelmäßigen Arbeit nachgingen, Straftaten begangen (und diese verbüßt!) hatten als „asozial“ oder als „Berufsverbrecher“, die in Konzentrationslagern mit einem schwarzen oder grünen Winkel stigmatisiert worden waren. Einige dieser Menschen lebten in der Schlossstraße oder am Ludwigsplatz, in einem Areal, das nun architektonisch aufgewertet wurde. Im Zentrum stand dabei die Sanierung des Schlosses, das wegen Baufälligkeit nicht komplett zugänglich war.

Eine zufällige Entdeckung im Keller des Schlosses und die Folgen

Bei Vermessungsarbeiten im Nordflügel des Schlosses stießen die Arbeiter hinter verschiedenen davor abgestellten Gegenständen auf eine Tür. Dahinter lag ein kleiner, hoher Raum, dessen Wände und die Tür voller Inschriften waren. Darüber berichtete die Saarbrücker Zeitung in ihrer Ausgabe vom 19./20 Juli 1975. Jedoch schien damit ein Signal auch für diejenigen gesetzt zu sein, deren Anliegen nicht das Freilegen, sondern Übertünchen war. So verschwand einige Zeit später die Originaltür. Weitere Inschriften, die außerhalb der Zelle gefunden worden waren, wurden übertüncht. (Inge Plettenberg 1988, S. 253) Doch die Zeit war danach, was 1978 in der Losung „Grabe, wo du stehst“ seinen Auftrag fand. Dieser Aufruf des schwedischen Autors Sven Lindqvist richtete sich im Jahr 1978 an junge schwedische Arbeiter:innen, die ihre Geschichte selbst erforschen sollten, anstatt die Deutungsmacht über das, was sie sind, ihren Arbeitgebern zu überlassen. Dieses Motto machten sich im Europa der 1970er Jahre auch Initiativen und Gruppen zu eigen, als sie daran gingen, die Geschichte ihres Wohn- oder Herkunftsortes in der NS-Zeit zu erkunden.
Es gründete sich auch an der Saarbrücker Volkshochschule eine Geschichtswerkstatt. Der Landesjugendring Saar lud im November 1978 aus Anlass des Jahrestages der Novemberpogrome zu einer Aktionswoche auf die Gedenkstätte Neue Bremm. Das zeigt zugleich, dass es noch keinen Ort gab, an denen an die verschiedenen Ereignisse – November-Pogrom 1938, Widerstand an der Saar vor und nach der Abstimmung vom 13. Januar 1935, Deportation von Jüdinnen und Juden am 22. Oktober 1940, NS-Krankenmorde – am authentischen Ort erinnert oder sich damit auseinandergesetzt werden konnte. Es gab keine Dauerausstellung und keine umfassende wissenschaftliche Darstellung. Jedoch wurden die Orte aufgesucht, die in der Zeit des Nationalsozialismus an der Saar bedeutsam waren. Das geschah im Rahmen der Alternativen Stadtrundfahrten, zu denen seit 1980 die VVN gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt der VHS Saarbrücken einluden. Das Schloss, der Schlossplatz als Sitz der Gestapo und damit des NS-Verfolgungsapparates gehörte dazu. Die Gestapo-Zelle war Teil der Tour, und es wurde auch die Bedeutung des Schlossplatzes für die Deportation von jüdischen Saarländer:innen nach Frankreich im Oktober 1940 hingewiesen. Dieses Wissen transportierten VVN und VHS buchstäblich durch die Stadt. Die VVN war es auch, die sich weiterhin für die immer mehr verfallende Gedenkstätte Neue Bremm einsetzte. Daher war es folgerichtig, dass 1984 die von Dietmar Renger und Raja Bernard, beide Angehörige der VVN, erstellte Publikation „Neue Bremm. Ein KZ in Saarbrücken“ erschien.

Raja Bernard und Dietmar Renger legten die erste Publikation zum Lager Neue Bremm vor.

Eine frühe Arbeit über das Lager aus dem Bereich der Zivilgesellschaft.

Darin wurde ausführlich über die Gestapo-Zelle, das Saarbrücker Schloss als Gestapo-Zentrale und die dort angewandten Verhörpraktiken berichtet. Erstmals wurde in der Publikation auf die Verbindung zwischen der Zelle, dem Schloss und dem Lager Neue Bremm hingewiesen. Wiederum legte die Zivilgesellschaft vor und Wissenschaft und Kommune folgten.

Stadt, Land und Wissenschaft nehmen sich der lokalen NS-Geschichte an

Die Arrestzelle der Gestapo im Keller des Saarbrücker Schlosses wurde 1975 entdeckt. Ursprünglich gab es fünf Zellen. Die Zelle ist Teil der seit 1988 bestehenden Dauerausstellung „Zehn statt tausend Jahre“ zur NS-Zeit an der Saar des Historischen Museums Saar. Quelle: Historisches Museum Saar/Thomas Rössler.

1985 wurde aus Anlass des 40. Jahrestags des Kriegsendes erstmals von dem damaligen Saarbrücker Oberbürgermeister Hans-Joachim Koebnick eine Gedenktafel in deutscher Sprache auf der Gedenkstätte Neue Bremm niedergelegt. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Lager erfolgte in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre, als die Geschichtswissenschaftlerin Elisabeth Thalhofer, damals noch Studentin an der Universität des Saarlandes am Lehrstuhl von Professor Rainer Hudemann sich im Rahmen ihrer Magisterarbeit mit dem Lager und seiner Geschichte befasste. Bereits 1989 erschien der erste Band des insgesamt bis 1995 drei Bände hervorbringenden Forschungsprojektes „Widerstand und Verfolgung an der Saar“ unter der Leitung des Leiters des saarländischen Landesarchivs, Professor Hans-Walter Herrmann, das von den damals in Saarbrücken tätigten Geschichtswissenschaftler, Gerhard Paul und Klaus-Michael Mallmann umgesetzt wurde. Darin wurden die Grundlagen für die Beschäftigung mit der Bedeutung der beiden Orte – Lager Neue Bremm und Schloss – sowie die Rolle der Gestapo gelegt.
1985 beschloss zudem der Stadtverbandstag im Saarbrücker Schloss ein Regionalgeschichtliches Museum einzurichten, dass der Vorläufer eines späteren Landesmuseums sein sollte. Daraufhin begann die Arbeit an dem ersten Bauabschnitt des Museums in Gestalt einer Dauerausstellung zur NS-Zeit an der Saar. Sie wurde am 9. November 1988 eröffnet und trug den Titel „Zehn statt tausend Jahre“. Sie fand Platz im Schlosskeller des von Professor Gottfried Böhm sanierten und mit einem gläsernen Mittelbau versehenen Schlosses. Im Zentrum der Ausstellung am authentischen Ort, der ehemaligen Saarbrücker Gestapo-Zentrale stand die Gestapo-Zelle. Sie war als einzige von ehemals fünf 1935 eingerichteten Zellen erhalten geblieben. Erst im April 1989 wurde das neue Schloss offiziell als Verwaltungssitz des damaligen Stadtverbandes (heute: Regionalverband) Saarbrücken in Dienst genommen. 1989 wurde im Museum die zweite Dauerausstellung zur Zeit des Saarstaates (1945/47-1959) unter dem Titel „Von der Stunde Null zum Tag X“ eröffnet. 1993 wurde die Ausstellung um die Zeit des Ersten Weltkriegs erweitert. 1994 erfolgte die Umbenennung in Historisches Museum Saar. Doch 1989 bald nach der Eröffnung des neuen Schlosses stellte eine unangekündigte Aktion die Erinnerungsarbeit zum Saarbrücker Schloss vor eine neue Herausforderung. Mehr dazu in der kommenden Woche.

Literatur

  • Horst Bernard: Das Geheimnis des alten Schlosses. Saarbrücken 1982.
  • Horst Bernard: Neue Bremm. Das Lager. Ehemalige Häftlinge des Gestapo-Lager Neue Bremm erinnern sich. Saarbrücken 2014.
  • Sabine Graf: Von Orten und Opfern. Erinnerung an die Anfänge der Gedenkkultur im Saarland In: SaarGeschichten Heft 1, 2022, S. 34-46.
  • Lieselotte Kugler: Statt eines Vorworts – ein Rückblick: Zehn Jahre Historisches Museum Saar. In: Zeitsprünge. Ein Blick in das Historische Museum Saar. Bausteine zur Geschichte der Saarregion. Schriftenreihe des Historischen Museums Saar. Band 3. Saarbrücken 1996. S. 5-6.
  • Inge Plettenberg: Die Wandinschriften in der Gestapo-Zelle. In: „Zehn statt tausend Jahre“ Die Zeit des Nationalsozialismus an der Saar (1935-1945). Katalog zur Ausstellung des Regionalgeschichtlichen Museums im Saarbrücker Schloss. Saarbrücken 1988. S. 253-267.
  • Dietmar Renger/Raja Bernard: Neue Bremm. Ein KZ in Saarbrücken. Vierte erweiterte Auflage. Heusweiler 1999 (1984). S. 83f.
  • Lutz Rieger: Künstlerische Gestaltung der Fußgängerzone St. Johanner Markt in Saarbrücken. In: Kunst im öffentlichen Raum. Herausgegeben vom Institut für aktuelle Kunst im Saarland. Band 1: Saarbrücken-Mitte. Saarbrücken 1997. S. 75-81.
  • Harald Schmid: Deutungsmacht und kalendarisches Gedächtnis. In: Peter Reichel u.a. (Hg): Der Nationalsozialismus – die zweite Geschichte. Überwindung, Deutung, Erinnerung. Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. Band 766. Bonn 2009. S. 175-216.
21. August 2026/von Sabine Graf
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